11. September 2001 – zwölf Jahre danach Der Tag, an dem sich die Welt änderte

von am 20. Mai 2013 in Allgemein, Reflektionen

11. September 2001 – zwölf Jahre danach <small class='subtitle'>Der Tag, an dem sich die Welt änderte</small>
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Der 11. September veränderte die Welt. Aber wenige würden behaupten, dass sie sich zum besseren veränderte, oder dass die Antworten uns mehr Sicherheit gebracht hätten.

VON HANS FISCHER

1,25 Trillionen Dollar kosteten die zwei Kriege im Irak und in Afghanistan. Das Ergebnis: Hunderttausende Leben wurden ausgelöscht. Die letzten Jahre sind gezeichnet von tödlichen Drohnenattacken und Vergewaltigung und Folter in Abu Ghraib und Bagram. Dazu kommt die Menschenrechts-Katastrophe Guantanamo Bay.

Der Krieg gegen den Terror ist ein einzigartiger Krieg. Der Gegner ist abstrakt, es gibt keine einzelne Gruppe, die aufgeben und ihre Niederlage eingestehen muss.

Menschen werden ohne Gerichtsverhandlung für unbegrenzte Zeit inhaftiert

Weltweit müssen die Menschen wegen dem Krieg gegen den Terror die Einschränkung ihrer Freiheiten und Rechte hinnehmen. Menschen werden ohne Gerichtsverhandlung für unbegrenzte Zeit inhaftiert. Der Aufstieg des politisch rechten Gedankenguts geht mit der Dämonisierung islamischer Begriffe und Werte einher.

Millionen Afghanen sind von dem Krieg in ihrem Heimatland geflohen und halten sich jetzt in Flüchtlingslagern in Pakistan, Iran und Afghanistan auf. Um diesen Flüchtlingen zu helfen, hat Amerika Ende 2010 eine weitere Million Dollar zugesichert – das entspricht gerade einmal dem Preis einer Cruise-Missile. Die Infrastruktur Afghanistans hätte grundlegend verbessert werden können mit den Kosten aller Cruise-Missiles, die in dem Land abgeschossen wurden.

Halliburton verdiente Billionen am Irakkrieg

Kriege kosten nicht nur, sie bringen auch Geld. Während Menschen mit ihrem Leben bezahlen, bereichern sich andere daran: Waffenhersteller und diejenigen, die den Wiederaufbau der ausgebombten Nationen übernehmen.

US-Vizepräsident Dick Cheney stieg im Jahr 2000 als Vorstandsvorsitzender aus dem amerikanischen Konzern Halliburton aus, um mit Präsident George W. Bush zu kandidieren. Er erhielt nicht nur eine Abfindung von 36 Millionen Dollar, sondern auch Aktienanteile an dem Unternehmen. Zwischen 2003 und 2006 hatte Halliburton im Zusammenhang mit dem Irakkrieg Einnahmen in Höhe von 17,2 Billionen Dollar. 2002 übertrug die Bush-Administration Halliburton den Auftrag, ein Gefängnis für 30 Millionen Dollar in Guantanamo Bay zu bauen.

Der 11. September brachte Verlust und Trauer

Die letzten zwölf Jahre seit dem 11. September waren ein großer Rückschlag für diejenigen, die sich eine andere Zukunft vorstellen, wo Macht nicht immer im Recht ist, wo die Wahrheit zur Macht spricht, wo Macht nicht alles auf ihrem Weg zermalmt, wo die Bedürfnisse der weltweiten Gemeinschaft über nationalen Interessen stehen, und wo der Aufbau von Leben und Gemeinschaften der Zerstörung vorgezogen wird, sei es von Individuen, Gruppen oder Staaten.

Als die Welt voll Schrecken auf den 11. September blickte, besaß Amerika die moralische Überlegenheit. Aber als Amerika Zerstörung im Namen der Freiheit brachte, verschwand diese Überlegenheit. Die Zerstörung ist nicht in unser kollektives Bewusststein eingebrannt, im Gegensatz zu den Flugzeugen, die in die Zwillingstürme flogen. Aber die Zerstörung ist real. Sie hat die gleichen Konsequenzen: Verlust und Trauer für Menschen.

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1 KommentarKommentieren

  • Maimuna - 19. September 2013

    Vielen Dank für den guten Artikel, in dem Bilanz gezogen wird. Insbesondere der Hinweis auf die lukrative Seite der Kriegspolitik scheint mir wichtig zu sein. Auch hier in Deutschland ist das Hauptargument (auch der SPD) für die Aufrüstung im Bereich Drohnen der Wirtschaftsfaktor. Die genannten Konsequenzen “Verlust und Trauer für Menschen” fallen unter Kollateralschäden. Die Zerstörung ist real. Wie real der 11. September und mit ihm der Feind “Terrorist qua Islamist” war und ist, bleibt allerdings offen, ganz unabhängig von der “moralischen Überlegenheit” Amerikas, die, so würde ich sagen, auch nach dem Afghanistan- und Irak-Krieg in Europa zumindest nicht in Frage gestellt wird. Grüße von Maimuna aus Berlin

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