Der Blockbuster übt keine intelligente Kritik Die Klischeekatastrophe Der Medicus

von am 13. Januar 2014 in Allgemein, Meinung

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Bild: dpa

Der deutsche Film “Der Medicus” bietet die Grundlage für Toleranz und Verständigung zwischen den Religionen. Aber leider  entpuppt sich der große Blockbuster als katastrophale Klischeeparade.

VON HANS FISCHER

Warum ist der Islam eine supertolle Religion? Weil der Muslim nach seinem Tod im Paradies Wein saufen und Jungfrauen vögeln darf!

Solche dummen Sprüche bekommt man nicht nur auf islamfeindlichen Internetseiten wie PI-News zu hören, die verzweifelt versuchen Stimmung gegen Muslime und Migranten zu machen. Nein, auch im Kino wird derzeit ins gleiche Rohr geblasen: Im Mittelalterschinken “Der Medicus” erklärt ein muslimischer Schüler des weisen Arztes Ibn Sina auf diese Weise seine Religion. Vor der Leinwand dürften sich Muslime vor Schmerzen auf ihren Kinosesseln krümmen.

Muslime werden als bösartige Monster diffamiert

Dabei hätte die Großproduktion aus deutschen Landen endlich mit den weit verbreiteten dummen Sprüchen und negativen Klischees über den Islam aufräumen können. Denn der Mediziner Ibn Sina lehrt im 11. Jahrhundert in Persien nicht nur Muslimen, sondern auch Juden die Heilkunst. Die Fahne für die Christen hält der junge Rob Cole hoch. Er ist extra aus dem fernen England angereist, weil das medizinische Wissen im Orient viel fortgeschrittener als in seiner europäischen Heimat ist.

Die Grundlage für Toleranz und Verständigung zwischen den Religionen und Völkern ist also gegeben. Aber leider  entpuppt sich “Der Medicus” als katastrophale Klischeeparade, die aus diesem wichtigen Thema nicht viel macht, es sogar regelrecht untergräbt. Anhänger des Islams werden nämlich wieder mal ausführlich als bösartige Monster diffamiert. Sie sind intolerant, fortschrittsfeindlich und hassen Ibn Sina und seine Medizinerschule. Außerdem planen sie die Errichtung eines Gottesstaates, der so schrecklich ist, dass der Aufenthalt im Höllenfeuer dagegen wahrscheinlich wie Urlaub anmutet. Für die Verwirklichung ihres Ziels nehmen sie auch ein grausames Blutbad in Kauf. Auf diese Weise fördert der “Medicus”-Schinken wohl weniger Toleranz, als vielmehr den Hass von PI-News & Co.

Der Film übt keine intelligente Kritik und mäht wie eine Dampfwalze alles nieder

Bleibt zu erwähnen, dass die mit viel Tamtam angekündigte Verfilmung des Buchs von Noah Gordon nicht nur scharf gegen Muslime schießt, sondern auch hin und wieder gegen Christen, und, das gibt’s in einem deutschen Film nun wirklich nicht alle Tage, auch gegen Juden. Anscheinend will das Möchtegern-Epos wohl daran erinnern, dass in Religionen auch die Gefahr des Fanatismus schlummert, der dem friedlichen Zusammenleben nicht unbedingt zuträglich ist.

Aber “Der Medicus” übt leider keine intelligente, feinsinnige Kritik, sondern mäht wie eine Dampfwalze alles nieder, was bei Drei nicht auf den Bäumen ist. So machen Diskussionen keinen Spaß, und ergiebig sind sie auch nicht. Das gilt denn auch beides für den “Medicus”.

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