Eine neue Moschee Diskussion in Karlsruhe

von am 9. Oktober 2013 in Allgemein, Leben

Eine neue Moschee <small class='subtitle'>Diskussion in Karlsruhe</small>
Bild: Hans Fischer

Die Ditib möchte eine repräsentative Moschee in Karlsruhe errichten. Wie in Deutschland üblich sorgt das wieder für Zündstoff. Eine Diskussionsrunde nahm sich dem Thema an.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, eine Moschee in Deutschland zu bauen. Aber die Realität sieht leider anders aus. So branden momentan in Karlsruhe heiße Diskussionen auf, weil die Ditib dort ein repräsentatives islamisches Gotteshaus errichten will. Im Karlsruher Architekturschaufenster gab es nun die Diskussionsrunde “Eine neue Moschee in Karlsruhe – Wünsche, Pläne, Bilder”. Bevor sich die Runde der geplanten Ditib-Moschee zuwandte, gewährte der Architekt Ahmet Altunbas erst einmal einen allgemeinen Einblick in die Thematik. “Der Islam sucht seinen Platz in der Gesellschaft und der Stadt”, erklärte er.

Als vor einigen Jahrzehnten muslimische Gastarbeiter nach Deutschland kamen, wurden Moscheen einfach in Hinterhöfen und Kellern eingerichtet. “Sie wurden nicht selten in den trostlosesten Ecken angesiedelt”, sagte Altunbas. Doch die neue Generation der Muslime verfügte über ein verändertes Selbstbild und wollte deshalb auch repräsentative Moscheen haben. So wurden die islamischen Gotteshäuser sichtbar und prägten das städtische Bild mit. Dies führte wiederum zu gesellschaftlichen Diskussionen, erläuterte der Architekt.

Karlsruhe ist unsere Heimat

Wie recht er damit hatte wurde klar, als Baubürgermeister Michael Obert das Wort ergriff, der in der Diskussionsrunde die Stadt Karlsruhe vertrat. “Mit der Moschee kommt etwas in die Stadt hinein, das der Sehgewohnheit nicht entspricht”, meinte der FDP-Politiker. Die Folge seien Ängste in der Bevölkerung. Obert erklärte, dass ihm die klassische Architektur von Moscheen Kopfzerbrechen bereitet. “Christen bauen ja auch nicht überall kleine Petersdome. Die Architektur entwickelt sich nun einmal mit der Zeit weiter und muss sich am Stadtbild ausrichten.”

“Unsere geplante Ditib-Moschee soll sich auch dem Stadtbild anpassen”, beruhigte Derya Sahan von der Ditib-Zentralmoschee in Karlsruhe. “Sie soll aber repräsentativ sein, also auch wie eine Moschee aussehen. Die Muslime wollen sich zeigen, sie wollen sich nicht mehr verstecken.” Außerdem habe sich durch das Bauvorhaben der Dialogprozess entwickelt, was eine gute Sache sei. “Durch den Dialog werden Ängste abgebaut.” Mit dem repräsentativen islamischen Gotteshaus der Ditib würden die Muslime zeigen, dass sie hier in Deutschland angekommen seien. “Karlsruhe ist unsere Heimat”, erklärte Sahan.

Der Moscheebau ist in Deutschland ein Grundrecht

Rüstü Aslandur vom Dachverband islamischer Vereine in Karlsruhe brachte in der Diskussionsrunde Verständnis für beide Seiten auf. “Wenn Menschen in ein anderes Land gehen ist es verständlich, dass sie ihre Kultur mitnehmen wollen und diese wie in ihrer Heimat sein soll.” Weil sich die Migranten in einer neuen Umgebung befänden sei es aber auch verständlich, dass die Gesellschaft von ihnen Anpassung fordere. “Beide Seiten müssen da Kompromisse finden”, folgerte Aslandur. Es sei nicht gut, geplanten Moscheebauten mit Angst, Ablehnung oder Hass zu begegnen. Dies verhindere sowohl Gespräche als auch Kompromissbereitschaft.

Einige Leute im Publikum sahen das anders. Bei der folgenden Fragerunde brandeten doch wieder Angst, Ablehnung und Hass auf. Als eine Frau kritisierte, dass in Deutschland Moscheen gebaut werden, während Christen in der Türkei keine Kirchen bauen dürfen, hielt Bürgermeister Obert dagegen. “Der Moscheebau ist in Deutschland ein Grundrecht, also ist es egal, was in anderen Ländern läuft. Wir führen hier ja auch nicht die Folter ein, weil in anderen Ländern gefoltert wird.”

Der Bürgermeister glaubt, dass die Religiosität der Muslime abnehmen wird

Die Angst vor einer angeblich bevorstehenden Islamisierung Deutschlands konnte Obert ebenfalls nicht teilen. “Bei den Muslimen gleicht sich die Geburtenziffer der Gesellschaft an”, sagte er. Damit erteilte der Bürgermeister der Meinung eine Abfuhr, dass Muslime so viele Kinder bekämen, dass diese in Zukunft schon allein durch ihre schiere Anzahl die restliche Bevölkerung an den Rand drängten. Auch hinsichtlich der Religiosität würden sich die Muslime in einer gewissen Zeit der Umgebung anpassen, meinte Obert. So werde ihre Religiosität abnehmen. “Sie werden sich, ähnlich wie bei den christlichen Kirchen, weniger an die Religion binden”, sagte der FDP-Politiker voraus.

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