Europa-Rede des Bundespräsidenten Muslime sind ein Teil unseres Miteinanders

von am 4. März 2013 in Allgemein, Gesellschaft

Europa-Rede des Bundespräsidenten <small class='subtitle'>Muslime sind ein Teil unseres Miteinanders</small>
Bild: J. Patrick Fischer

Gehören Muslime zu Europa? Ja, sagt der Bundespräsident. “Vielfalt ist Alltag in der Mitte unserer Gesellschaft geworden”, erklärt Joachim Gauck in seiner Europa-Rede in Berlin.

Über viele Themen will Bundespräsident Joachim Gauck sprechen. Schließlich ist Europa ein großes und komplexes Gebilde. Es bietet etliche Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Als Gauck im Schloss Bellevue vor die Zuschauer tritt, um über Europa zu sprechen, geht er auch auf die Muslime und Migranten ein.

Europa hat seine Werte, erklärt er. Diese Werte sind über Ländergrenzen hinweg gültig. Sie gelten für Menschen mit verschiedenen Religionen und Kulturen. Dann wendet sich der Bundespräsident den Muslimen zu. “Sie sind ein selbstverständlicher Teil unseres europäischen Miteinanders geworden.”

Bereits einige Monate vorher sprach der Bundespräsident über den Islam

In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die aus anderen Ländern kommen. “Wir treffen Restaurantbesitzer aus Italien, Krankenpflegerinnen aus Spanien und Fußballspieler aus der Türkei”, zählt Gauck auf. Wenn diese Menschen religiös sind, besuchen sie auch andere Gotteshäuser als christliche Mitbürger. “Vielfalt ist Alltag in der Mitte unserer Gesellschaft geworden”, so das Fazit von Gauck.

Bereits einige Monate vorher sprach der Bundespräsident über den Islam. Sein Vorgänger Christian Wulff hatte gesagt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Gauck dagegen wollte den Satz nicht in der Form übernehmen. “Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.”

Ein Teil der Europa-Rede von Bundespräsident Joachim Gauck im Wortlaut:

[…] “Von anderen Kontinenten zugewanderte Menschen wissen das Kostbare an Europa oft besonders zu schätzen. Sie kennen Armut, Unfrieden, Unfreiheit und Unrecht in anderen Teilen der Welt. Sie erleben Europa als Raum des Wohlstands, der Selbstverwirklichung und in vielen Fällen auch als Schutzraum: vor Pressezensur und staatlichen Internetsperren, vor Folter und Todesstrafe, vor Kinderarbeit und Gewalt gegen Frauen, oder vor der Verfolgung jener, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung leben.” […]

[…] “Der europäische Wertekanon ist nicht an Ländergrenzen gebunden und er hat über alle nationalen, ethnischen, kulturellen und religiösen Unterschiede hinweg Gültigkeit. Am Beispiel der in Europa lebenden Muslime wird dies deutlich. Sie sind ein selbstverständlicher Teil unseres europäischen Miteinanders geworden. Europäische Identität definiert sich nicht durch die negative Abgrenzung vom anderen.

Europäische Identität wächst mit dem Miteinander und der Überzeugung der Menschen, die sagen: Wir wollen Teil dieser Gemeinschaft sein, weil wir gemeinsame Werte teilen. Mehr Europa heißt: mehr gelebte und geeinte Vielfalt. All das, was wir zwischenstaatlich lernen mussten und weiter lernen, um den Frieden zwischen den Völkern zu sichern, haben wir immerfort auch innerhalb unserer Gesellschaft zu lernen, um den Ausgleich zwischen zunehmend Verschiedenen zu erreichen.

Wir erleben es tagtäglich: Wir sind auch dann Europa, wenn wir zu Hause bleiben. In Deutschland treffen wir Restaurantbesitzer aus Italien, Krankenpflegerinnen aus Spanien und Fußballspieler aus der Türkei. An den Universitäten und in den Betrieben, an den Bühnen und in den Geschäften arbeiten immer mehr Menschen, die ihre familiären Wurzeln in anderen Ländern haben und die, wenn sie religiös sind, andere Gotteshäuser besuchen als protestantische und katholische Deutsche. Europa ist längst mehr. Vielfalt ist Alltag in der Mitte unserer Gesellschaft geworden.” […]

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