Filmklassiker mit Johnny Depp Edward mit den Scherenhänden

von am 30. Juni 2015 in Allgemein, Leben

Filmklassiker mit Johnny Depp <small class='subtitle'>Edward mit den Scherenhänden</small>
Bild: Haf

Tim Burton. Dieser Name steht für bizarre, märchenhafte Welten, in denen jede Menge Sonderlinge und Außenseitertypen leben. Nach “Batman” verwirklichte Burton einen seiner persönlichsten Filme.

Ein Erfinder, der in einer alten, einsamen Burg lebt, erschafft den künstlichen Menschen Edward (Johnny Depp), der Scheren anstelle von Händen besitzt. Als der Erfinder stirbt, bleibt der noch unvollendete Edward alleine zurück. Schließlich besucht eine Kosmetik-Beraterin das Schloss, in der Hoffnung dort ihre Produkte verkaufen zu können. Als sie das seltsame Wesen findet ist sie zuerst entsetzt, fasst sich aber schnell und nimmt es mit zu sich nach Hause.

Edward wird die große Attraktion in der Vorstadtsiedlung, fast alle wollen ihn kennen lernen. Er verliebt sich unsterblich in die Tochter seiner Entdeckerin, Kim (Winona Ryder), die aber leider schon einen Freund hat und zuerst nicht so richtig weiß, was sie von dem Scherenmann halten soll. Doch bald erkennt sie sein gutes Herz und erwidert seine Zuneigung. Ihre Liebe steht jedoch unter keinem guten Stern: Kims ehemaliger Freund und die überwiegende Mehrheit der Bewohner haben inzwischen beschlossen, dass Edward, diese grässliche “Perversion der Natur”, hier nichts zu suchen hat. Die Lage eskaliert ….

Der Regisseur zeigt starke Sympathien für Sonderlinge und Außenseiter

Mit dieser berührenden Tragikomödie schuf Burton einen seiner besten Filme. Geschickt verwebt er Motive aus “Die Schöne und das Biest” und “Frankenstein” und verlegt sie in seinen eigenen filmischen Kosmos. Dabei zeigt der Regisseur wie immer starke Sympathien für Sonderlinge und Außenseiter, in diesem Fall Edward. Der wirkt zwar auf den ersten Blick seltsam, ja geradezu unheimlich, ist aber in Wirklichkeit weitaus netter und sympathischer als die Bewohner der Siedlung, hinter deren “normaler” Oberfläche Abgründe lauern. Für das moderne Märchen greift Burton indirekt auf eigene Erlebnisse zurück, stammt er doch selbst aus einem ähnlichen Vorort. Vergleicht man Fotos von Edward mit dem exzentrischen Filmemacher, kann man optische Parallelen nicht leugnen: Der junge Mann mit den Scherenhänden ist das bizarr-übertriebene Alter-Ego des Regisseurs.

Johnny Depp zeigt in dieser Rolle mal wieder, kaum zu erkennen hinter jeder Menge Make-Up, dass er ein großartiger Schauspieler ist. Stilsicher bewegt er sich zwischen Independent-Filmen wie “Dead Man” und Hollywood-Blockbustern wie “Fluch der Karibik”. Sehr einfühlsam spielt er den armen Edward, der vor Kreativität nur so sprudelt. Wegen der Scherenhände bleibt er immer etwas auf Distanz, sie behindern ihn bei seinem Handeln in der “normalen” Welt.

Von der Gothic-Burg in die spießige Vorstadtsiedlung

Die Welt in “Edward mit den Scherenhänden” zeigt immer auch sehr deutlich die Mentalität der Leute, die in ihr leben. So haust Edward auf einer alten Burg, die mit ihrem Gothic-Design ausgezeichnet zu dem unangepassten Scherenmann passt. Die Vorstadtsiedlung dagegen besteht aus Häusern, die sich alle furchtbar ähnlich sehen und stramm in Reih und Glied gebaut wurden. Edwards Einfall in diese durchorganisierte Welt wird auch optisch deutlich, wenn er die einheitlichen Gartenhecken in Tier- und Menschenfiguren umschneidet.

Bei all der Gesellschaftskritik und dem Pessimismus, die der Film enthält, ist Burtons Werk nach wie vor eine romantische Vision, ein romantisches Märchen, charmant inszeniert, witzig, traurig und auch in den emotionalsten Momenten immer geschmackvoll und einfach schön.

 

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