iPUNKT-ONLINE-Serie: Nathan der Weise (Teil 3) Eine Familie - Drei Religionen

von am 2. August 2013 in Allgemein, Reflektionen

iPUNKT-ONLINE-Serie: Nathan der Weise (Teil 3) <small class='subtitle'>Eine Familie - Drei Religionen</small>
Bild: Anna Rosina de Gasc (Lisiewska)

Als Bruderreligion ist der Islam dem christlichen Theologen und Aufklärer Lessing genauso wenig fremd wie das Judentum. Lessing jedenfalls hat kein Problem mit dem Islam.

Ein Christ, der Tempelherr, wird bei seinem Einsatz im Orient von dem feindlichen muslimischen Sultan verschont und rettet wiederum die Adoptivtochter des Juden Nathan aus dem Feuer, Recha. Das interreligiöse Gedankenintermezzo tut der Lebendigkeit der Figuren keinen Abbruch. Ausdrucksstark zeichnet Lessing sie mit wenigen Strichen.

Dabei deutet er mehr an, als er ausspricht. So erwähnt der Christ im Auslandseinsatz lediglich, als er bei Nathan um die Hand der Tochter buhlt, dass sie, wenn sie ihm folgen wolle, bereit sein müsse, eines Muselmanns Frau zu werden (5. Aufzug, 6. Auftritt).

Islam und Judentum sind dem christlichen Theologen und Aufklärer Lessing nicht fremd

Über drei Ecken wird hier etwas angedeutet, aber nicht ausgesprochen. Man ahnt, dass sich der Tempelherr zum Islam bekannt hat, vielleicht ist das aber auch nicht wichtig.

Am Ende wissen wir jedenfalls, dass er, wie seine geliebte Recha, Geschwister sind, beide Kinder einer Christin und eines Muslims. Der Sultan Saladin und seine Schwester Sittah, die übrigens gegen die Etikette des Erste-Welt-Feminismus verstößt, indem sie als Finanzministerin die Geschlechtertrennung wahrt, sind wiederum der Onkel und die Tante des Christen und der als Jüdin Aufgezogenen.

Eine Familie. Drei Religionen. Die Weisheit in der Figuren-Konstellation des “Nathan” lässt keinen Zweifel. Als Bruderreligion ist der Islam dem christlichen Theologen und Aufklärer Lessing genauso wenig fremd wie das Judentum. Lessing jedenfalls hat kein Problem mit dem Islam.

Teil 1

Teil 2

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