Pro und Contra Soll Wulff das Thema Integration übernehmen?

von am 4. März 2013 in Allgemein, Meinung

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Bild: Charvosi

Job weg, Frau weg, das Gericht am Hals. Was nun? Der Ex-Bundespräsident Christian Wulff will es jetzt als Integrationsbotschafter versuchen. Was dafür und dagegen spricht.

VON HATICE KILICER & HANS FISCHER

Pro:

“Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.” Mit diesem Satz fliegen dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff die Herzen der Muslim- und Migrantenverbände zu. Damit habe er zur kulturellen Vielfalt der Gesellschaft beigetragen, freut sich Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschland. Die Aussage sei “ein Zeichen gewesen, dass die Muslime keine Bürger zweiter Klasse sind”, jubelt auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek.

Schon früher, als Wulff noch Ministerpräsident in Niedersachen ist, schreitet er tatkräftig voran. Er macht die CDU-Politikerin Aygül Özkan zur Sozialministerin. Sie ist die erste türkischstämmige Politikerin in Deutschland, die ein solches Amt übernimmt. Als Bundespräsident reist Wulff in die Türkei. Er spricht im Parlament und legt den Grundstein für eine Universität. Die türkischen Medien sind begeistert.

NSU-Opferangehöriger bedankt sich bei Wulff

Kein Wunder also, dass die Muslime und Migranten ihren Christian lieben. Auch als er sich wegen der Affäre als Bundespräsident nicht mehr halten kann und zurücktritt, stehen sie zu ihm. Bei der Gedenkfeier für die Opfer der rechtsextremen NSU-Terrorzelle bedankt sich ein Hinterbliebener in seiner Rede ausdrücklich bei Wulff. Der kann wegen seines Rücktritts an der Veranstaltung in Berlin nicht mehr teilnehmen.

Wie geht es nun weiter mit Christian Wulff? Er will sich für das Thema Integration stark machen. Keine schlechte Idee. In dem Bereich hat er sich ja bisher sehr engagiert. Die Türkei und der arabische Raum sind ihm ans Herz gewachsen, erklärt er im Spiegel. Freundschaften seien dort verlässlicher als in seiner Heimat. Er könne es sich gut vorstellen, Menschen hier und dort näher zu bringen.

Also los, Herr Wulff, machen Sie weiter, wo sie aufgehört haben! HANS FISCHER

 

Contra:

Zugeben: Mit seiner Ernennung einer türkischstämmigen Frau als Sozialministerin hat Christian Wulff schon als niedersächsischer Ministerpräsident gepunktet. Als Bundespräsident hat er sogar einen drauf gesetzt und einen Volltreffer gelandet. Klar, dass Migrantenverbände ihn bejubeln, wenn er sagt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Deshalb ist auch die Reaktion der Migrantenverbände nachvollziehbar, den Ex-Bundenspräsidenten als Intergrationsbotschafter sehen zu wollen.

Nachvollziehbar. Aber nicht verständlich.

Warum soll gerade ein so wichtiges Thema wie Integration von einer Person übernommen werden, die einen ramponierten Ruf hat? Gegen die sogar noch Ermittlungen wegen Korruption laufen?

Wie glaubwürdig kann ein beschädigter Botschafter sein

Fünfzig Jahre hat Deutschland gebraucht sich einzugestehen ein Einwanderungsland zu sein. Gerade deshalb sollten Spitzenpolitiker sich trauen, sich mit dem Thema Integration zu befassen. Integration ist die offene Wunde Deutschlands, die ernsthaft behandelt werden muss. Aber keiner nimmt sich bisher dieser Herausforderung an, die das Land fünfzig Jahre verschlafen hat?

Nur Mut! Traut euch! Es wird Zeit. Und es ist längst überfällig. Die Politik muss die Bedeutung von Integration erkennen und diesem Thema endlich auf Augenhöhe begegnen.

Das Prinzip „Schlechte Werbung ist auch eine Werbung“ funktioniert in diesem Fall nicht. Wie glaubwürdig kann ein beschädigter Botschafter sein, wenn er von Ehrlichkeit spricht? Mindestens genauso glaubwürdig wie der Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Als ihm wegen der Plagiatsaffäre sein Doktortitel aberkannt wird, tritt er als Minister zurück. Jetzt hat er einen neuen Job als Internet-Berater in Brüssel. Gerade der setzt sich für die Internetfreiheit ein, die ihn überführt hat. Wer`s glaubt wird selig. HATICE KILICER

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