Proteste gegen Erdogan Der Ton macht die Musik

von am 7. Juni 2013 in Allgemein, Meinung

Proteste gegen Erdogan <small class='subtitle'>Der Ton macht die Musik</small>
Bild: dpa

Ministerpräsident Erdogan erhält Zuspruch, aber auch Ablehnung. Die Kunst echter Demokratie liegt nicht nur darin, die Stimme der Mehrheit zu sein, sondern auch der Minderheit.

VON HATICE KILICER

Seit Tagen ist die Türkei von Unruhen gezeichnet. Man kann schon von einem Kampf zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften reden. Gegen die Demonstranten werden Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Gleichzeitig werden Polizeiautos von einigen Demonstranten mit Steinen beworfen und die Autoscheiben eingeschlagen. Es gibt immer wieder neue Krawalle zwischen den beiden Parteien.

Vor der Abreise nach Nordafrika machte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die “Opposition” und einige “Marodeure” für die Krawalle verantwortlich. Es ginge nicht um die paar Bäume im Gezi-Park, es sei eine ideologisch motivierte Bewegung gegen ihn und seine Regierung. Nach seiner Rückkehr trat er aber vor seine Anhänger am Atatürk-Flughafen in Istanbul und sagte, dass er der Ministerpräsident aller Bürger sei und nicht nur von seinen Wählern. Das ist der richtige Weg.

Erdogans Art und Persönlichkeit machen ihm Freunde aber auch Feinde

Richtig ist auch, dass Erdogan das Land in den zehn Regierungsjahren wirtschaftlich voran gebracht hat. In fast jeder seiner Anprachen spricht er von seinen “Diensten” als “Diener des Volkes”. Er hat Universitäten eröffnet, Brücken gebaut, Bäume gepflanzt … und so weiter. Wegen seiner Erfolge verehren ihn seine Fans. Sie lieben ihn auch wegen dem Hau-auf-den-Tisch-Prinzip, dem selbstbewussten Auftreten sowohl national als auch international und der direkten Rhetorik. Aber diejenigen, die Erdogan hassen, hassen ihn genau aus denselben Gründen. Seine Art und seine Persönlichkeit machen ihm Freunde aber auch Feinde.

Genau das ist das Problem. Erdogan reichen seine Freunde. Und das ist sein Schwachpunkt, den weder er noch jemand in seinem Umfeld sieht. Deshalb ist er verantwortlich für die Eskalation der Unruhen in der Türkei. Er schafft es nicht, sich mit seinen Gegnern zu arrangieren. Obwohl er mit einer absoluten Mehrheit von rund 50 Prozent das Land alleine regiert, ist er nicht in der Lage, Unruhen zu beschwichtigen und Demonstranten zuzuhören. Die Kunst echter Demokratie liegt nicht nur darin, die Stimme der Mehrheit zu sein, sondern auch der Minderheit.

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1 KommentarKommentieren

  • urcxt - 7. Juni 2013

    In keinem anderem Bericht wurde die Unruhe in der Türkei so neutral berichtet.
    Endlich wird Aussage darüber gemacht, wieso Erdogan von der Mehrheit geliebt und von der Minderheit gehasst wird.
    Ich persönlich bin der Meinung, dass es keinen besseren Ministerpräsidenten für die Türkei geben könnte. Allein die Tatsache wieviel er während seiner Amtszeit (ca.10 Jahre ) für sein Land und dem Wohl seines Volkes getan und “gedient” hat, der wirtschaftliche Wachstum, … sprechen für sich !

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