Rassismusdebatte um Kinderbücher Doktert nicht an den Büchern rum!

von am 8. März 2013 in Allgemein, Meinung

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Bild: Haf

Kinderbuchklassiker von Autoren wie Otfried Preußler und Astrid Lindgren sind heute noch beliebt. Die Verlage schlagen Diskriminierungs-Alarm und streichen Wörter wie “Neger”. Aufhören, sage ich!

VON HANS FISCHER

Die altehrwürdigen Kinderbuchklassiker sollen für weitere Generationen von Kindern Klassiker bleiben können. Dazu gehört auch, dass Begriffe, die zur Entstehungszeit der Klassiker nicht diskriminierend waren, es in der heutigen Zeit aber eindeutig sind, gestrichen oder ersetzt werden. So begründet der Thienemann Verlag auf seiner Webseite, warum er und andere Verlage alte Kinderbücher von Autoren wie Otfried Preußler und Astrid Lindgren überarbeiten.

Hört auf damit! Denn Kinderbücher sind, wie jede Form von Kunst, ein Kind ihrer Zeit. So geben sie in der Regel mal mehr, mal weniger offensichtlich den Zustand der Gesellschaft während ihrer Entstehung wieder. Der mag uns aus heutiger Sicht nicht immer gefallen. Aber wenn wir deshalb anfangen, die Bücher von Preußler und Lindgren zu verändern, wo hören wir dann auf? Müssen wir dann nicht auch etliche andere Bücher und Kunsterzeugnisse überarbeiten? Die Folge wäre, dass viele große Künstler der Vergangenheit, die wir verehren, Federn lassen müssten. Und irgendwann erneut, wenn der nächste sprachliche und politische Wandel vor der Tür steht.

Es hilft nicht die Probleme totzuschweigen

Pippi Langstrumpf

Bild: Haf

Lasst deshalb die alten Werke, wie sie sind. Anstatt die Bücher von Preußler und Lindgren zu überarbeiten, sollten wir uns lieber überlegen, warum die beiden Autoren bestimmte Begriffe verwendet haben, und warum diese heute verpönt sind.

Wenn wir Diskriminierung und Rassismus wirkungsvoll bekämpfen wollen, müssen wir uns ihnen stellen. Es hilft nicht, wenn wir diese Probleme totschweigen. Denn sie sind da. Leider. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir bei “Pippi Langstrumpf” und der “Kleinen Hexe” den Rotstift zücken.

Das gesellschaftliche Umfeld spielt eine entscheidende Rolle

Aber werden Rassismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft nicht gefördert, wenn ältere Kinderbücher fragwürdige Begriffe enthalten? Umso mehr, da sie von Kindern gelesen werden, die ja noch unerfahren und damit recht beeinflussbar sind?

Ich habe als kleiner Junge die Werke von Preußler und Lindgren geliebt. Ein Rassist und Anhänger rechtsradikaler Parteien bin ich trotzdem nicht geworden. Mein Freundeskreis ist multikulturell. Ich denke, ein Mensch wird nicht zum Rassisten, nur weil er mal in einem Kinderbuch das Wort “Neger” gelesen hat. Da spielt stattdessen das gesellschaftliche Umfeld eine entscheidende Rolle. Also sollten wir alle daran arbeiten, dieses Umfeld möglichst tolerant und menschlich zu gestalten, und auch unsere Kinder in diesem Sinne zu erziehen. Dann kann der Begriff “Neger” in einem älteren Kinderbuch auch keinen Schaden mehr anrichten.

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