Sargpflicht wird abgeschafft Muslimische Bestattung im Leinentuch erlaubt

von am 17. Dezember 2013 in Allgemein, Leben

Sargpflicht wird abgeschafft <small class='subtitle'>Muslimische Bestattung im Leinentuch erlaubt</small>
Bild: dpa

In Zukunft können sich Muslime in Baden-Württemberg ihrer Religion entsprechend im Leinentuch bestatten lassen. Das Gesetz soll im Jahr 2014 im Stuttgarter Landtag verabschiedet werden.

“Ich freue mich, dass der Runde Tisch Islam erste Früchte trägt”, sagt die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney. “Das von mir ins Leben gerufene Gremium hat den Impuls für die Änderung des Bestattungsrechts gegeben.” Wer erfolgreich Integration betreiben wolle, müsse sowohl Aufnahmegesellschaft als auch Migranten beteiligen. “Und das gerade dann, wenn es um schwierige und kontroverse Fragen geht.”

Im Stuttgarter Landtag fassten die Fraktionen den Beschluss, die Sargpflicht abzuschaffen. In Zukunft können sich Muslime in Baden-Württemberg also im Leinentuch bestatten lassen. Außerdem müssen nicht mehr 48 Stunden zwischen dem Tod und der Beerdigung liegen. Somit können Muslime ihrer Religion entsprechend bereits nach 24 Stunden zur ewigen Ruhe gebettet werden. Das Gesetz kann erst im Jahr 2014 im Landtag verabschiedet werden.

Bestattung unter Missachtung der religiösen Überzeugung

Nach dem baden-württembergischen Bestattungsgesetz durften Leichname bisher nur in Särgen erdbestattet werden. In den Fällen, in denen die Religionszugehörigkeit eine Bestattung ohne Sarg vorsieht, konnte der Deckel des Sarges bei der Bestattung abgenommen und neben den Sarg in das Grab gelegt werden – solange keine gesundheitlichen Gefahren zu befürchten waren. Muslime, die diesen Kompromiss nicht mittragen können, waren gezwungen, entweder die Bestattung unter Missachtung ihrer religiösen Überzeugung vorzunehmen oder den Leichnam in ein Land zu überführen, das die sarglose Bestattung erlaubt.

In den Bundesländern ist die Rechtslage unterschiedlich. Manche Länder sehen einen Sargzwang schon gar nicht vor. Andere lassen Ausnahmen vom Sargzwang aus wichtigem Grund oder ausdrücklich aus religiösen Gründen zu, wenn öffentliche Belange, vor allem Risiken für die Gesundheit, nicht entgegenstehen.

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