Um die Welt in 102 Minuten Die geführte Meditation Samsara

von am 30. Juli 2014 in Allgemein, Leben

Um die Welt in 102 Minuten <small class='subtitle'>Die geführte Meditation Samsara</small>
Bild: Haf

Regisseur Ron Fricke hat wieder mal das große Ganze im Blick. Für seinen Film “Samsara” machte er in 25 Ländern Aufnahmen, die einen staunen lassen.

Auf der Erde gibt es viel zu sehen. Das zeigt der Regisseur Ron Fricke. Bereits vor rund zwanzig Jahren reiste er um die Welt und sammelte sowohl atemberaubend schöne als auch verstörende Bilder. Das Ergebnis war die beeindruckende filmische Meditation “Baraka”.

Vor kurzem hat Fricke wieder die Reiselust gepackt. Für seinen neuen Film “Samsara” war er fünf Jahre unterwegs und besuchte 25 Länder. Die Aufnahmen, die er mitbrachte, besitzen eine derart gewaltige visuelle Kraft, dass man sie mit Worten kaum beschreiben kann.

Der ewige Kreislauf des Lebens

Wie “Baraka” ist auch “Samsara” keine Dokumentation im herkömmlichen Sinne. Fricke nennt sein neues Werk eine “geführte Meditation ohne Worte”. Hier gibt es keine Stimme aus dem Off, die dem Zuschauer erklärt, was sich gerade vor seinen Augen abspielt, wie es sonst in Dokumentationen üblich ist. Stattdessen bietet “Samsara” einen meditativen Gedankenstrom aus Bildern und Musik, der den Betrachter auffordert, sich seine eigenen Gedanken zum momentanen Zustand der Erde und der Menschheit zu machen.

Das Wort Samsara stammt aus dem Sanskrit und bedeutet im Buddhismus den ewigen Kreislauf des Lebens, die unaufhörliche Wiederkehr von Geburt, Dasein und Tod. Kurz gesagt: Der Film behandelt die ganz großen Themen, die die Menschen schon immer beschäftigt haben.

Muslimische Pilger umkreisen die Kaaba

Auf der einen Seite bietet er Bilder von beinahe überirdischer Schönheit. Da schwebt die Kamera über uralte Tempel und gewaltige Naturlandschaften. Dank Zeitraffer wird der Wechsel zwischen Tag und Nacht eine Angelegenheit von Sekunden, Licht und Schatten tanzen umher, während in Mekka die muslimischen Pilger im Gedenken an Gott die Kaaba umkreisen.

Auf der anderen Seite zeigt der Film das Dunkle, Traurige, Verstörende. Arme Leute wühlen in ihrer Not in gewaltigen Müllbergen, die unsere Gesellschaft hinterlässt. Die Fabriken der Massentierverarbeitung führen die Grausamenkeiten vor Augen, die die Menschen den Tieren antun. Ein Soldat in schicker Uniform zeigt sein Gesicht, das vom Krieg schwer gezeichnet ist. Die Mumie der fast zweijährigen Rosalia Lombardo in der Kapuzinergruft von Palermo erinnert an die Vergänglichkeit und den Tod.

Jenseits des Alltagstrotts

“Samsara” ist ein Film, der den Zuschauer aus seinem Alltagstrott reißt und ihn über seine Existenz auf der Erde reflektieren lässt. Es ist ein Film, der den ein oder anderen vielleicht dazu bewegen kann, seine Lebenseinstellung zu ändern und zu verbessern. Und wenn zukünftige Generationen einmal auf “Samsara” stoßen sollten, dann halten sie ein beeindruckendes Zeitdokument in den Händen, über das Leben auf der Erde, damals, zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

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