Unterwegs mit Nasrin (Teil 1) Reise durch Afghanistan

von am 28. Juni 2015 in Allgemein, Leben

Unterwegs mit Nasrin (Teil 1) <small class='subtitle'>Reise durch Afghanistan</small>
Bild: Udof

Nasrin hat zwei Heimatländer: Deutschland und Afghanistan. Zuletzt besucht die junge Muslima das Land am Hindukusch, um dort die Hochzeit ihrer Schwester traditionell zu feiern.

VON HANS FISCHER

Die Afghanen sind ständig am Heiraten. Woran das liegt? “Es gibt kaum Freizeitangebote. Die Leute wollen aber auch Spaß haben und etwas erleben. Also gehen sie zu Hochzeiten. Da ist was los”, erzählt Nasrin gegenüber iPUNKT-ONLINE.

Bei so viel Partyerfahrung der Afghanen läuft natürlich auch die Feier der Farkharis in Kabul wie geschmiert. Die Familie mietet eine große, festlich geschmückte Halle. Sie wird von pompösen Kronleuchtern an der Decke hell erleuchtet. Der goldene Thron auf der mit Blumen verzierten Empore ist für das Brautpaar reserviert. Die Gäste nehmen an runden Tischen Platz. Als ein Sänger traditionelle afghanische Lieder anstimmt, klatschen alle begeistert mit und stürmen die Tanzfläche. “Zum Glück sind Musik und Feiern nicht mehr verboten, wie damals während der Taliban-Herrschaft”, erklärt Nasrin.

Die Afghanen gehen ihren Alltagsgeschäften nach

Die junge Frau reiste schon öfters nach Afghanistan, zum ersten Mal kurz nach dem gewaltsamen Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2003. “In der Hauptstadt Kabul gab es damals viele zerstörte Häuser. Die Straßen, wenn man sie so nennen will, waren holprige Schotterpisten aus Sand und Steinen”, erinnert sich die 24-Jährige.

Heute haben sich die Lebensumstände verbessert. “Es gibt in Kabul noch zerstörte Häuser, aber nicht gleich auf den ersten Blick, und die Straßen sind besser ausgebaut.” Auch die vielen Menschen, die einfach nur ihren Alltagsgeschäften nachgehen, tragen dazu bei, dass die Gedanken der jungen Muslima an die alte Zeit schnell verfliegen.

Während des Ramadan backt die Familie für das allabendliche Fastenbrechen

Die Lebensumstände der Kabuler unterscheiden sich allerdings enorm von denen der Bewohner anderer Städte, wie zum Beispiel Imam Sahib, wo die Familie der Studentin ein Haus besitzt. In dem Ort nahe Kunduz gibt es nur abends Strom. Fließendes Wasser ist nicht die Regel. Die Leute schleppen die Wassereimer vom Brunnen herbei. Das Straßennetz ist immer noch schlecht ausgearbeitet. “Ich glaube, wir Deutschen sind so bequem geworden, dass wir auf diese Weise gar nicht mehr leben könnten”, lächelt Nasrin.

Trotz der Entbehrungen gefällt ihr das ruhige Leben in Imam Sahib aber besser als der hektische Trubel der Millionenstadt Kabul. Mit der Familie backt sie während des Ramadan für das allabendliche Fastenbrechen traditionelle Gerichte. Dabei kommt nach altem Brauch ein mit Holzkohle betriebener Tandur-Ofen zum Einsatz. “Es schmeckt großartig, ganz anders, als wenn man einen Elektroherd verwendet”, schwärmt Nasrin. Jedoch wird nicht immer mit traditionellen Mitteln gekocht, weil dies das Kochen erschwert.

Es ist schon eine Leistung, unter solchen Umständen zu arbeiten

Einmal muss Nasrins Cousine ein Zahn gezogen werden. Also besucht sie die kleine Praxis des örtlichen Zahnarztes. Die Polsterung des Behandlungsstuhls ist zerfetzt. Für die bei der Behandlung notwendige Beleuchtung sorgen lediglich eine Energiesparlampe und das Tageslicht. “Es ist schon eine Leistung, unter solchen Umständen zu arbeiten”, meint Nasrin. Der Zahn wird unter Betäubung gezogen, was aber in Afghanistan nicht selbstverständlich ist. “Je nachdem, wo man hingeht, wird man bei der Behandlung auch einfach festgehalten, wenn der Schmerz zu groß wird.”

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