Unterwegs mit Nasrin (Teil 3) Party in Kabul

von am 26. Juni 2015 in Allgemein, Leben

Unterwegs mit Nasrin (Teil 3) <small class='subtitle'>Party in Kabul</small>
Bild: Udof

Die Afghanen sind ständig am Heiraten. In etlichen Sälen in Kabul feiern sie von morgens bis abends Hochzeiten. Dabei kommt ihre feinste Abendgarderobe zum Einsatz.

Die Afghanen lassen sich trotz Banditen und Taliban nicht den Spaß nehmen. Das gilt auch für Nasrins Schwester: Für ihre Hochzeit reist sie nach Afghanistan. Sowohl die Braut als auch der Bräutigam leben in Deutschland. Wegen der Verwandtschaft feiern sie in ihrer anderen Heimat. Nach der traditionellen Henna-Nacht im Haus der Familie findet die Hochzeit in Kabul statt. “Dort gibt es unglaublich viele Hochzeitssäle, wo die Menschen von morgens bis abends feiern”, lächelt Nasrin. “Ich wohne neben einem der Säle und da läuft ständig Musik.”

Die Besucher holen für das große Ereignis ihre feinste Abendgarderobe aus dem Schrank. Die Jüngeren setzen meist auf westliche Kleidung wie Anzug und Krawatte. Die Älteren dagegen bevorzugen traditionelle afghanische Kleidung. Allgemein sind die Hochzeiten auch heute noch stark von der Kultur und den Traditionen des Landes geprägt. So wird Nasrins Schwester am Ende der Feier ein grünes Band umgebunden, mit dem ihre Eltern sie symbolisch ihrem Ehemann anvertrauen.

In Kabul ist eine Hochzeit nicht gleich eine Hochzeit. Sie hängt vom Geldbeutel ab. Die Reicheren leisten sich prunkvolle Hochzeitssäle. Die Ärmeren in Kabul nehmen mittelmäßige Hallen. Manche Familien stürzen sich sogar in Schulden, um ihre Partys finanzieren zu können. An abgelegenen Orten sind die Feiern bescheidener. Dort wird je nachdem auch einfach im eigenen Garten geheiratet.

Afghanistan braucht die Afghanen

Zurück in Deutschland fällt es Nasrin nicht schwer, sich wieder in das hiesige Leben einzufinden. Die Reise hat sie nicht verändert, aber ihre Meinung bestätigt. “Meine zweite Heimat ist ein schönes Land, aber es wird leider von Menschen zerstört und von anderen Ländern ausgenutzt. Ich kann keine Aufbruchstimmung wie beim Arabischen Frühling erkennen.”

Afghanen, die ihr Vaterland verlassen, würden leider oft den Bezug zu ihrer Heimat verlieren. “Sie genießen nur die neu gewonnenen Freiheiten. Dabei sollten gerade diese Menschen dazu beitragen, dass in Afghanistan sowohl der Islam als auch Demokratie und Frauenrechte verstanden werden. Nur wenn dies geschieht, können diese Werte dort auch gelebt werden. Die Welt erwartet von den Afghanen, dass sie wählen gehen. Dabei wissen sie nicht einmal, was Demokratie eigentlich bedeutet”, bedauert Nasrin. “Das muss sich ändern – damit Afghanistan wieder erblühen kann.”

Teil 1

Teil 2

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