Wir brauchen Gespräche auf Augenhöhe Islamwoche in Karlsruhe

von am 29. Oktober 2013 in Allgemein, Gesellschaft

Wir brauchen Gespräche auf Augenhöhe <small class='subtitle'>Islamwoche in Karlsruhe</small>
Bild: Hans Fischer

Die Islamwoche in Karlsruhe hat begonnen. Zum Auftakt schaute der Oberbürgermeister vorbei, während Bilal Erkin von der Universität Osnabrück über den Islam in Deutschland sprach.

“Die Notwendigkeit solcher Veranstaltungen wird nicht geringer”, erklärte Avdil Mustafi im Namen des Veranstalters, des Deutschsprachigen Muslimkreises Karlsruhe. Schließlich werden in Deutschland viele Themen diskutiert, die Muslime betreffen, vom Bau von Moscheen über Islamunterricht bis hin zum Kopftuchverbot. Als besorgniserregend stufte Mustafi die Islamkritik ein. “Sie ist fremdenfeindlich, mit Hass und Abgneigung erfüllt und hat das Ziel, den Islam zu verteufeln.” Das Ziel der Karlsruher Islamwoche bestand dagegen darin, das friedliche Zusammenleben zu fördern.

Diesem Ziel sah sich auch Oberbürgermeister Frank Mentrup verpflichtet. “Es gibt eine Fülle von politischen, weltanschaulichen und religiösen Überzeugungen in unserer Stadt. Deshalb ist es wichtig, dass Anlässe geschaffen werden, an denen man Menschen aus anderen Religionen und Kulturen kennenlernen und Freundschaften schließen kann. Wir brauchen den Erfahrungsaustausch und Gespräche auf Augenhöhe.” Mentrup äußerte den Wunsch, dass die muslimischen Gemeinschaften aktiv am Stadtleben mitwirken. Der in Karlsruhe geplante Garten der Religionen, der beim Start der Islamwoche präsentiert wurde, bezeichnete der SPD-Politiker als eine gute Sache. Der Garten soll sowohl für religiöse Vielfalt als auch Toleranz stehen.

Fabriken im Stil einer Moschee

Über das Thema “Islam in Deutschland zwischen Anspruch und Integration” sprach Bilal Erkin, Doktorand und Mitarbeiter am Institut für Islami­sche Theologie an der Universität Osnabrück. Er spannte einen weiten Bogen von den Anfängen des Islam in Deutschland bis zur heutigen Zeit. So berichtete er von der Schwetzinger Moschee, die Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde, von dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der sich in seinem West-östlichen Divan mit dem Islam und dem Orient beschäftigte, und von Fabriken, die im Stil einer Moschee errichtet wurden, zum Beispiel das Dampfmaschinenhaus in Potsdam.

Für die Muslime, die heute in der Bundesrepublik leben, stellten die Anschläge des 11. September eine entscheidende Wende dar, erklärte Erkin. “Sie wurden fälschlicherweise als potentielle Terroristen gebrandmarkt und mussten ständig ihre Loyalität beweisen.” Trotzdem sah Erkin aber auch positive Entwicklungen. So sprach man im Zuge der hitzigen Islamdebatte nicht nur wieder miteinander, es gibt inzwischen an deutschen Schulen auch islamischen Religionsunterricht, während an deutschen Hochschulen eine akademisch-islamische Theologie heranwächst.

Vorurteile durch Dialog abbauen

“Gescheiterte Integrationspolitik in den letzten Jahrzehnten kann damit aber nicht gelöst werden”, schränkte Erkin ein. “Es ist ein Prozess, der noch lange andauern wird und Aufgeschlossenheit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit von allen Beteiligten fordert.” Die Vielfältigkeit der Gesellschaft muss verstanden werden, damit die Gesellschaft ihr Potential ausschöpfen kann, und Vorurteile müssen durch Dialog abgebaut werden, forderte Erkin.

Die Islamwoche in Karlsruhe bietet noch viele weitere Vorträge. Bis Freitag, 1. November, können die Besucher mehr über den Islam erfahren und sich mit Muslimen austauschen.

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